RetroCade Project 2018

Im Jahr 2018 habe ich mein lange geplantes Projekt, ein Spielautomat, endlich zu Ende gebracht. Ladys and Gentleman, mein RetroCade:

RetroCade vergleich

Ich fange doch besser von vorne an (Ich werde hier nicht alle Details beschreiben, denn dafür ist das Projekt zu umfangreich) :

Also ein Kind der 1980er verbinde ich sehr viel meiner Kindheit bzw. Jugend mit Spielautomaten. Meine ersten Berührungen mit einem damals noch recht neuen Spielautomat war Anfang 1980/1981 mit eine Battlezone-Automat. Den 'first Contact' hatte ich bei einem kurzen Zwischenstop auf einer kleinen Lahn-Bootstour mit einem damaligen Freund und durfte leider nur ein oder zwei D-Mark verzocken. Diese 1-2 Minuten haben aber gereicht um die Neugier für diese Technik zu wecken und habe seit dem in jeder Gaststätte erstmal die Automaten gecheckt, bevor ich nur einen Blick in die Speisekarte geworfen habe. Dabei entdeckte ich Spiele wie Phoenix, Burgertime und Pac Man um nur einige zu nennen, die damals alle neu waren und technisch auf höchsten Niveau.

Deshalb hatte ich schon länger den Plan gehabt mit Emulatoren einen eigenen Automaten zu bauen. Mein erster Entwurf beinhaltete einen ausgemusterten AMD Athlon mit Windows XP, 500GB Festplatte und Mala als Frontend. Im CAD war der Automat schon komplett fertig modelliert und auch die Teile wie Joystick, 4:3 19" LCD Monitor, Verstärker, I-Cade 2 Controller und Buttons lagen auch schon bereit. Es sollte ein Zweispieler-Automat werden und war deshalb ziemlich vollgepackt. Allein das Motherboard mit Netzteil nahm schon sehr viel Platz ein. Doch dieser Plan scheiterte an den Seitenwänden. Ich wollte diese Kontur bei einem Profi von einer CNC-Fräse fertigen lassen, aber ich fand leider keinen Dienstleister der das zu Hobbypreisen machen würde. Also ruhte das Projekt lange Zeit auf der Festplatte, bzw. auf dem Dachboden.

Phoenix

Als ich mir Mitte 2018 einen 3D-Drucker zugelegt habe, erinnerte ich mich an meinen Plan und überlegte mir, wie ich das Projekt für einem 3D-Drucker umbauen müsste. So entstand eine Kombination aus Holz und 3D-Druck. Die Seitenwände sollte eine einfache Kontur haben, die man leicht mit einer Stichsäge selbst herstellen kann. Also sind die Rundungen entfallen und ein eckiges Design ist entstanden. Die Kanten habe ich dann mit vielen kleinen Druckerteilen verblendet und verklebt.

Nachdem geklärt war wie das Gehäuse gebaut wird, überlegte ich mir die technische Seite. Als erstes fiel Player 2 weg, da ich zu 99% alleine daran Spiele. Der zweite Spieler würde auch viel Platz auf dem Controllerboard einnehmen und das würde die Ergonomie der Buttons deutlich einschränken. Außerdem hätte ich genügend Ersatzteile, denn ich hatte ja schon einen kompletten Satz für zwei Spieler gekauft. Als Computer und für die Emulationen habe ich mir einen Raspberry Pi 3 B+ mit einer 8GB MicroSD-Karte besorgt. Die Wahl auf kleine 8GB liegt daran das ich nur ausgewählte Spiele und Emulatoren auf dem RetroCade haben will und dafür sind 8GB mehr als genug. Den Ton konnte ich per Klinkenstecker aus dem Rasberry Pi direkt zu einem kleinem Verstärker leiten der die Retroklänge zu zwei 10W Einbauboxen leitete. Die Bedienseite von diesem Verstärker habe ich auf der rechten Seite mit einer gedruckten Blende rausgeführt um jederzeit die Lautstärke regeln zu können.

Das war genug Planung um loszulegen und kleinerer Probleme die evtl. noch auf mich zukommen könnten, sollten nicht mehr das komplette Projekt gefährden können.

Angefangen habe ich mit dem Controlpanel. Da mein Drucker nur eine Druckbreite von 210mm x 210mm x 210mm hat, musste ich das Modell in drei teile splitten, die ich später einfach zusammenstecken und verkleben konnte. Das sind auch die drei größten Teile und haben alleine eine 3/4 Rolle Filament verbraucht (eine Rolle kostet je nach Hersteller ca. 15-25 Euro). Nachdem die Teile gedruckt und verklebt waren, habe ich diese mit einer Folie mit Carbon-Look beklebt und die Bohrungen mit einem Messer ausgeschnitten. Den Joystick, Buttons und das I-Cade 2 habe ich nach dem Einbau verkabelt und erst mal ein Funktionstest gemacht, der auch auf Anhieb erfolgreich war. Jetzt habe ich die ersten Verblendungen modelliert, gedruckt und angeklebt.

Controlpanel

Als nächstes hab ich mir die Lautsprecherplatte vorgenommen und auch in drei Teile aufgeteilt. Ich machte vor dem Drucken einigen kleinen Verbesserungen, weil ich durch die Erfahrung mit dem Controlpanel noch Optimierungepotential gesehen habe. Das funktionierte dann auch ohne Probleme und nach dem bekleben und ausschneiden haben die Boxen perfekt gepasst. Der festen Sitz der Boxen war mir besonders wichtig um späteres Klappern zu vermeiden. Auch hier habe ich anschließend die Blenden modelliert, gedruckt und angeklebt.

Sinnvollerweise waren jetzt die Seitenwände und die restlichen Holzplatten dran und dank CAD konnte ich die genauen Maße leicht notieren. Da der nächste Baumarkt auch die Platten kostenlos zuschneidet war auch das kein Problem und brauchte für alle Teile zwei MDF-Platten der Größe 2000mm x 600mm. Jetzt noch die Seitenteile mir der Stichsäge zuschneiden und Bohrungen machen. Damit beide Seiten gleich sind, habe ich beide Seiten zusammengeschraubt und gleichzeitig bearbeitet. Ich habe mir alle Maße aus dem CAD notiert und per Hand aufgezeichnet. Man könnte auch mit einem Plotter eine 1:1 Zeichnung drucken und aufkleben. Das wäre präziser und auch schneller. Nur war Wochenende und ich konnte auf den Plotter auf der Arbeit nicht zugreifen...

Nach dem auch diese Hürde geschafft war (und das war meiner Meinung die größte Hürde), habe ich die restlichen Holzplatten mit Folie beklebt und zusammengeschraubt. Die Äußeren Seiten habe ich noch nicht beklebt, damit ich evtl. nochmal schrauben lösen kann, wenn was nicht so richtig passen sollte. Jetzt ist das Gehäuse bereit für den Einbau des Controlpanel und der Lautsprecherplatte. Das zeigte sich als sehr einfach und passte auch sehr gut.

CAD

Als nächstes kam der Einbau des Monitor, der etwas fummelig war. Im CAD sieht alles perfekt aus, aber in der Praxis ist es bei einem schräg liegendem Holzbrett nicht so einfach die korrekte Position zu finden. Nach mehrmaligem korrigieren der Position habe ich es dann doch geschafft und der Monitor sitzt.

Nun musste ich noch den Monitor verblenden, sodass man den Rand und das innere nicht sehen kann. Dafür kaufte ich eine 2mm Scheibe aus Plexiglas die ich zugeschnitten habe und mit schwarzer Folie an den zu verdeckenden Stellen überklebte. Dabei muss man besonders sauber arbeiten, da man schließlich ständig darauf schaut. Leider ist die Scheibe nicht entspiegelt und in hell beleuchteten Räumen sieht man sich selbst relativ deutlich. Da ich aber sowieso gerne im abgedunkelten Räumen spiele stört es nicht wirklich.

Nun konnte ich anfangen den Raspberry Pi einzubauen und mit Monitor, Verstärker und dem I-Pac 2 zu verbinden. Das lief alles nach Plan und der RetroCade war voll funktionsfähig. Wie ich den Raspberry Pi mit RetroPie eingerichtet habe, lasse ich hier bewusst weg da es im Internet schon viele gute Anleitungen dazu gibt.

Jetzt nur noch die letzten Arbeiten:

  • Mehrfachsteckleiste in das Gehäuse unterbringen und mit Kaltgerätesteckdose und Schalter verlöten. Somit kann ich das Retrocade ohne lästigen Kabel transportieren
  • Die fehlenden Folien auf die Seitenwände kleben
  • Blenden für Seitenteile drucken und aufkleben
  • Rückwand bauen: Plexiglas beklebt mit schwarzer Folie, damit es sich leicht biegen lässt für leichteren Einbau
  • Vier Standfüße angeschraubt für stabilen Stand und Schutz für die gedruckten Leisten auf der Unterseite

Jetzt ist mein RetroCade fertig und habe viel Spaß damit. Es kommt tatsächlich ein richtiges 'Arcade-Feeling' rüber und ist doch ein großer Unterschied zu einer Retropie-Variante am Wohnzimmerfernseher. Vielleicht habe ich euch auch ein wenig motiviert eine eigene Arcade zu bauen. Alternativ hierzu gibt es ja auch noch fertige Bausätze zu kaufen, aber da ich die Teile alle schon gekauft hatte und die Bausätze nicht vollständig kompatibel zu meinen Bauteilen waren, wollte ich doch ein eigenes Gehäuse konstruieren.

Denn auch hier gilt die Regel: Der Weg ist das Ziel ...

... to be continued